Die (vielleicht) neuen Top-Level-Domains

Am 20. Juni dieses Jahres hat die Internet-Verwaltung ICANN die grundsätzliche Einführung neuer so genannter generischer Top-Level-Domains beschlossen. Eine Entscheidung, der ein jahrelanges Tauziehen unterschiedlicher Interessensgruppen voran gegangen war, und die auch nach dem Beschluss für kontroverse Diskussionen und Berichterstattungen, sowohl innerhalb der Domainbranche als auch in Mainstream-Medien, sorgt.

gTLD VS. ccTLD
Die generischen Top-Level-Domains unterscheiden sich im Vergleich zu anderen Top-Level-Domains (TLD) dadurch, dass grundsätzlich jeder Begriff als TLD verwendet werden kann während andere TLDs i.d.R. einen geographischen Bezug haben. Beispiele für generische Top-Level-Domains sind .com (steht für „commercial“) oder .org (steht für „organization“). Beispiele für so genannte ccTLD („Country Code Top Level Domains“) mit geographischem Bezug sind .de (für „Deutschland“) oder .at (für „Österreich“).

Gibt es für jedes Land sowie einige weitere geographische Regionen, die eigentlich kein Land im eigentlichen Sinne darstellen (z.B. .eu für „Europäische Union“ oder .cat für „Katalonien“), eine eigene ccTLD, so ist die Vergabe der generischen Top-Level-Domains mit etwas mehr als 20 TLDs bisher relativ strikt erfolgt. Neben den weithin bekannten wie .com oder .net gibt es dabei auch einige exotische und wenig verbreitete Endungen wie .edu für Bildungseinrichtungen (wird überwiegend in den USA genutzt) oder .aero, welche ausschließlich von Organisationen im Bereich der Luft- und Raumfahrt genutzt werden kann. Zum Vergleich: Die beliebteste generische Endung .com bring es Ende Juli 2011 auf mehr als 96 Millionen Domainnamen, .aero verzeichnet zu diesem Zeitpunkt ca. 7.500 registrierte Domains.

Neue Vergabepolitik
Mit dem Beschluss zur Einführung neuer generischer Endungen soll die restriktive Handhabung bei der Vergabe aufgegeben und der Namensraum für zahlreiche neue Top-Level-Domains geöffnet werden. Es gibt dabei unzählige Beispiele für mögliche Anwendungsszenarien. Angefangen von großen Marken, die sich unter ihrer eigenen TLD präsentieren möchten (z.B. .facebook) über einen branchen- und/oder interessenspezifischen Namensraum wie beispielsweise .cars bis hin zu Städten (z.B. .berlin), die regionale Zielgruppen ansprechen möchten.

ICANN selbst geht von der Einführung mehrerer hundert neuer Top-Level-Domains in den kommenden Jahren aus, die aus der Anfang 2012 startenden Bewerbungsphase hervorgehen. Und tatsächlich ist davon auszugehen, dass zahlreiche Anträge für den Betrieb neuer TLDs eingereicht werden – trotz hoher Hürden für Bewerber wie beispielsweise einer 185.000,00 Dollar hohen Bewerbungsgebühr.

Zunächst soll ab September 2011 seitens ICANN eine weltweit angelegte Kampagne gestartet werden, um rund um die neuen gTLD auch außerhalb der Domainbranche eine möglichst große Aufmerksamkeit zu generieren. Dieser auf vier Monate angesetzten Phase soll dann die eigentliche Bewerbungsphase folgen, innerhalb welcher Anträge zur Vergabe einer neuen Top-Level-Domain durch Unternehmen, Verbände und weitere Organisation eingereicht werden können. Mit der tatsächlichen Vergabe und in der Folge entsprechender Registrierungsmöglichkeiten ist daher frühestens Ende des kommenden Jahres zu rechnen.

Alles klar – oder doch nicht?
Welche und wie viele Endungen dann jedoch tatsächlich vergeben und unter welchen Bedingungen Domainnamen von Interessenten registriert werden können, ist derzeit noch vollkommen offen. Zwar gibt es Absichtserklärungen von potentiellen Bewerbern für einige Top-Level-Domains und einige Anbieter bieten auch bereits zum jetzigen Zeitpunkt <ganz dicke Anführungszeichen>Vorbestellungsmöglichkeiten</Anführungszeichen> für Domainnamen unterhalb solcher potentieller neuer Endungen an. Ob diese TLD dann jedoch tatsächlich Einzug in das Domain Name System halten werden, ist derzeit eigentlich in keinster Weise seriös absehbar.

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Peter Mueller

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7 Kommentare

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  • Oliver
    Oliver - 19. August 2011 um 12:51 Uhr

    a) elende Masche zum Geldschinden oder b) blinder Aktionismus von Leuten, die die hierarchische Ordnung des DNS nicht verstanden haben. (Wahrscheinlich beides…)

  • Stefan
    Stefan - 19. August 2011 um 13:10 Uhr

    seriös absehbar wäre die einführung von weiteren domainendungen wie z.b. .me .co .be .ch .lu .la .ms .in .ag .im .re .so .io .sh und viele weitere coole domains wo noch eher ein paar gute namen frei sind :).

    habt ihr vielleicht sowas geplant einzuführen? 😀

  • LeereDose
    LeereDose - 19. August 2011 um 13:27 Uhr

    .edu ist nicht nur amerikanisch. – Das KIT verwendet die TLD bspw. auch. 😉

  • Peter
    Peter - 19. August 2011 um 14:28 Uhr

    @LeereDose: Stimmt, das war falsch formuliert. Vielen Dank für den Hinweis, ist korrigiert.

  • Peter
    Peter - 19. August 2011 um 14:29 Uhr

    @Stefan: Konkret in der Pipeline sind derzeit keine weiteren TLDs. Leider können wir Endungen, bei welchen nur ein verhältnismäßig geringes Volumen zu erwarten ist, nur schwer zu einem für unsere Kunden attraktiven Preis-/Leistungsverhältnis anbieten, da der Aufwand durch die von Registry zu Registry meist unterschiedlichen Registrierungssysteme sehr hoch ist.

  • Stephan M.
    Stephan M. - 21. August 2011 um 22:29 Uhr

    .aero kann prinzipell auch privat registriert werden. Als Privatpilot habe ich z.B. ganz problemlos eine „.aero ID“ erhalten 😉

  • Nils Dornblut
    Nils Dornblut - 21. August 2011 um 23:22 Uhr

    @Stephan M.: Für die Registrierung einer .aero-Domain muss der Domaininhaber eine Tätigkeit in der Luftfahrtbranche nachweisen können. Das kann man natürlich sehr weit fassen. Nur Mitglieder der aviation community sollen diese registrieren dürfen. Aber dazu kann man schon Stewardessen oder Modellbauer zählen. Auch wenn man „offline etwas über die Luftfahrt publiziert“, passt das schon.