Schwere Entscheidung

Manche Entscheidungen trifft man nicht gerne und sie tun einem im Herzen weh, weil man sie treffen muss. Aber was soll man tun, wenn herauskommt, dass ein Mitarbeiter selbst als Webhoster tätig ist und während seiner Arbeitszeit sich nicht um unsere Kunden sondern sein eigenes Geschäft kümmert? Wenn er anstatt offene dF-Tickets zu beantworten, mit seinen eigenen (Neu-)Kunden kommuniziert und sogar Einstellungen von Freiberuflern für seine Firma über seinen Firmen-PC und während der Arbeitszeit abwickelt?

Mal abgesehen von den eindeutigen Regelungen im Arbeitsvertrag und der explizierten (von ihm verneinten) Rückfrage von uns vor Einstellung nach Nebentätigkeiten: Es sollte offensichtlich sein, dass man nicht einerseits im Kundenservices eines Hosters arbeiten und zeitgleich (zumal ohne Offenelgung und vorherige Abklärung) als unmittelbarer Wettbewerber am Markt auftreten kann. Und zwar nicht nur nebenher, sondern mit professioneller Homepage und konkurrierenden Produkten. Wenn dann noch die Arbeit für diesen Konkurrenten während der bezahlten Arbeitszeit bei uns erfolgt, zerstört dies das Vertrauensverhältnis nachhaltig.

Zumal da ja auch andere Fragen und Sorgen auftauchen, die zu berücksichtigen sind: Was ist mit den Kundendaten, auf die der Mitarbeiter Zugriff hatte? Was mit den Beratungsgesprächen, bei denen er unsere Kunden über die Tarife und Möglichkeiten informieren sollte? Wenn er nicht bei der Tätigkeit und Arbeitszeit eine klare Grenze ziehen konnte, ist ihm dies hier evtl. auch nicht gelungen?

Insgesamt ist das eine schwere, anfangs unglaubliche Situation. Leider hat sie sich schnell bestätigt: Durch einfache Netzrecherchen. Und E-Mailanfragen an den konkurrierenden Hoster. Die der Mitarbeiter sehr zeitnah (bei gleichzeitig offenen Tickets unserer Kunden) von seinem Firmen-PC aus während seiner Arbeitszeit beantwortet hat. Gezeichnet mit seinem Namen. Und: Dumm nur, dass zuletzt bei Einsichtnahme in den Bildschirm noch die Supportticket-Maske unseres Wettbewerbers offen war.

Viele Optionen bleiben bei so einer Konstellation in der Summe aller Punkte und unter Abwägung aller Gesichtspunkte und Aspekte nicht mehr. Dass der Arbeitnehmer dann auch noch gelogen hat, als wir ihn zur Rede gestellt haben, war dann nur noch ein letzter Mosaikstein.

Nachtrag: Natürlich könnten wir hier nur über tolle Sachen berichten und den Blog zum virtuellen Hochglanzprospekt machen. Wir sind aber mit dem Anspruch angetreten, offene Einblicke zu bieten. Und eine solch intern einmalige wie schwierige und belastende Situation gehört da eben auch dazu. Wenn das anders ankommen sollte, sind wir aber natürlich lernbereit. Und bitten um entsprechendes Feedback.

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Sara Marburg

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Sara Marburg

Geschäftsführung (bis 11/13)

16 Kommentare

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  • mar-e
    mar-e - 4. März 2010 um 15:36 Uhr

    Was ist denn eine „Einsichtname in den Bildschirm“?

  • darki
    darki - 4. März 2010 um 15:40 Uhr

    Vermutlich öffnet man das Gehäuse und schaut in den Bildschirm hinein und wertet die zuletzt angezeigten Pixel aus 😉

  • Michael
    Michael - 4. März 2010 um 15:42 Uhr

    Puh, na da bin ich ja nicht der einzige, dem so etwas mal passiert ist. Also ich meine auf der arbeitgebenden Seite 😉

  • Tobia Sara
    Tobia Sara - 4. März 2010 um 15:46 Uhr

    Einsichtnahme = in den nicht per Passwort, Bildschirmschoner, usw. geschützten Bildschirm sehen z.B. während der Arbeitnehmer noch davor sitzt oder in dem Moment in dem er aufgestanden ist. Nichts spektakuläres also.

  • mar-e
    mar-e - 4. März 2010 um 16:04 Uhr

    Dass man nicht einerseits im Kundenservices eines Hosters arbeiten und zeitgleich als unmittelbarer Wettbewerber am Markt auftreten kann, halte ich nicht von vornherein für völlig ausgeschlossen. Denn es gibt ja als Präzidenzfall die Tätigkeit als df-Reseller, der ebenfalls nach außen hin eigenständig am Markt auftritt.

    Wenn aber ein Mitarbeiter das nicht vorher mit seinem Arbeitgeber abspricht. und dann obendrauf noch der Nebentätigkeit während der Arbeitszeit nachgeht — da bleiben als Arbeitgeber wirklich nicht mehr viele Optionen…

  • Gerald
    Gerald - 4. März 2010 um 18:15 Uhr

    Meine größte Sorge: Zitat „Was ist mit den Kundendaten, auf die der Mitarbeiter Zugriff hatte?“
    …ich weiß nicht ob es damit zusammenhängt….ich habe mich nur gewundert warum soviele Webhoster/Diensteanbieter auf meine Seite zugreifen. Da ich nicht viel Werbung mache müssen sie ja irgendwoher die URL haben..wobei das nun wirklich nicht damit zusammenhängen muß.
    Wollen wir hoffen daß jener Mitarbeiter keinen Rachefeldzug plant und sein Wissen negativ ausnützt.

  • Jörg
    Jörg - 4. März 2010 um 18:34 Uhr

    Ich hätte ihn vielleicht in den Vertrieb befördert…übrigens halte ich diesen Blog – Eintrag für bedenklich. Hier gehts um Personalangelegenheiten und Arbeitsrecht.

  • Tobia Sara
    Tobia Sara - 4. März 2010 um 18:37 Uhr

    Hallo Gerald,

    Ihre Sorge ist natürlich berechtigt und hat auch uns intern erheblich beschäftigt. Immerhin kann auch ein Kundenservicemitarbeiter mit begrenzten Zugriffsrechten auf unseren Web-Interfaces im Laufe der Zeit Kundendaten abfragen und speichern. Wir haben dafür jedoch bisher und trotz bereits erfolger Überprüfungen keinerlei Erkenntnisse, die einen bereits erfolgten Datenabfluss beweisen oder indizieren würden. Insbesondere haben auch unsere umfangreichen Sicherheitssysteme bisher nicht angeschlagen.

    Natürlich ist das Risiko unter Berücksichtigung der speziellen Gesamtsituation höher als üblich, dass es irgendwann zu einem Abfluss von Daten hätte kommen können. Gerade auch das Ziel „Schutz unserer Kundendaten“ war daher mit dafür entscheidend, den bestehenden Interessenkonflikt und die Verfehlungen für einen konsequenten Schnitt zu nutzen. Denn hätten wir trotz Kenntnis der Verfehlungen weiteren Zugriff auf Kundendaten in Kauf genommen, wäre dies im Falle eines danach erfolgten Datenabflusses untragbar und fahrlässig gewesen.

    Die Festplatte des betrieblich genutzten Computers haben wir jedenfalls sichergestellt und im Rahmen der rechtlichen Vorschriften bereits überprüft. Falls uns noch irgendwelche Aspekte bekannt werden sollten, welche konkret für tatsächlich missbrauchte Kundendaten sprechen sollten, werden wir die Platte durch Fachleute forensisch untersuchen lassen.

    Abschließend:

    Der Verlust des Vertrauensverhältnis in Verbindung mit dem Risiko bzw. der Frage „Abfluss von Kundendaten“ ist nicht an einen tatsächliches Schadensfall gebunden, sondern abstrakt davon zu betrachten. Da wir keine Totalüberwachung haben und wollen, können wir trotz aller Sicherheitssysteme und -vorkehrungen ein verbleibendes Restrisiko nicht ausschließen und müssen den Vertrauensverlust entsprechend bewerten.

    Dies bedeutet nicht, dass es tatsächlich zu Datenmissbrauch gekommen ist und dafür gibt es keine konkreten Indizien. Anderenfalls hätten wir bereits Strafanzeige erstattet und weitere Maßnahmen ergriffen.

  • Tobia Sara
    Tobia Sara - 4. März 2010 um 18:43 Uhr

    Hallo Jörg,

    wir verfügen über keinen „Vertrieb“, sondern ausschließlich über einen Inbound-Kundenservice, der für die Beratung und Unterstützung von Interessenten und Kunden zuständig ist. Auch eine gesonderte Stelle „Neukundenberatung“ haben wir nicht.

  • flo
    flo - 4. März 2010 um 18:45 Uhr

    arme tobia sara, das sind nummern… tsts… mit sowas muss man sich rumschlagen. seid froh dass ihr die pfeife los seid und freut euch über die redlichen anderen mitarbeiter 🙂 lg aus köllefornia flo

  • Stephan
    Stephan - 4. März 2010 um 19:23 Uhr

    ich kann mir gut vorstellen, dass das eine für alle Beteiligten schwierige Situation ist. Aber das Verhalten des Mitarbeiters ist so natürlich nicht hinnehmbar, erst recht dann, wenn ganz bewusst derart wichtige Informationen verschwiegen werden. Persönlich ist mir ein gutes Vertrauensverhältnis in einer Geschäftsbeziehung elementar wichtig, gerade wenn bei einer Arbeit auch sensible Informationen zugänglich sind. Ihre Entscheidung kann ich daher völlig nachvollziehen.

    Grüße aus Karlsruhe
    Stephan

  • Odde23
    Odde23 - 4. März 2010 um 19:24 Uhr

    @Tobia Sara
    Ich finde diesen offenen Umgang mit der Situation hier im Blog sehr lobenswert. Leider kommt es im Geschäftsleben immer wieder zu Situationen, in den man nicht anderst handeln kann. Ich mußte diese Situation auch schon erleben, dass mich ein MA bewust angelogen. Was soll man in diesem Fall schon zun? Es gibt dann leider nur eine Option wenn man als Chef/in seine Autorität nicht verlieren will. Das ist traurig, aber leider nicht zu ändern.

  • Stephan Hagel
    Stephan Hagel - 4. März 2010 um 20:07 Uhr

    Hallo,

    ich würde mir bei dieser Sachlage kein allzugroßen Kopf machen. Wenn ein MA für mich arbeitet, dann arbeitet er für mich und nicht gegen mich. Wenn er jedoch konkurrierend im gleichen Business selbständig ist, dann gibt es nur eine Lösung.

    So sehr ich einen familären Betreib befürwortet und dafür einstehe und das gemeinsame „wir“ präferiere (aber auch gewisse Freiheiten zulasse), so sehr gibt es aber auch klare, unmissverständliche Grenzen.

    Und die scheinen hier deutlich überschritten worden zu sein. Wenn dies dann noch in einem Rahmen passiert, der ggfls. zivil/strafrechtlich relevat ist, dann muss mit geeigneten Mitteln darauf reagiert werden.

    Auch wenn ich „nur“ der Vize bei uns bin, so würde ich es nie zulassen, dass dem Unternehmen Schaden zugefügt wird.

  • Rainer.D
    Rainer.D - 4. März 2010 um 20:14 Uhr

    So traurig die Angelegenheit auch ist, etwas Positives ist dem ganzen dann doch abzugewinnen: Der Mensch wird wohl nach der Entlassung nicht arbeitslos sein, wenn das eigene Geschäft so floriert … Da fragt man sich eh was er bei DF verloren hatte, wenn er sich sogar um freie Mitarbeiter bemühen muss.

  • Matze.k
    Matze.k - 8. März 2010 um 11:49 Uhr

    Allgemein finde ich so einen Eintrag in einem öffentlichen Blog sehr gewagt, gerade weil es sich hierbei um eine Arbeitsrechtliche evtl. Strafrechtliche Angelegenheiten handelt.

    Ich hätte erst geprüft, ob der diese/r MA/rin einen tatsächlichen Rechtsverstoss betrieben hat (Datendiebstahl -was ja momentan Mode ist). Aber ich gehe davon aus, das diese/r MA/rin auch in seiner Leistung eurem Unternehmen gegenüber nicht gerecht geworden ist (also kein Mitarbeiter des Monat), da er ja seine eigenen Ziele verfolgt hat. Ansonsten hätte man ihn/sie ja auch umdrehen können und sein wissen weiter ausbauen und nutzen können, wenn er seiner Leistung dem Unternehmen gerecht worden ist.

  • Fnord
    Fnord - 8. März 2010 um 21:21 Uhr

    „Schwere Entscheidung“?
    Allenfalls ärgerlich finde ich die.

    Was aber soll gegen die Veröffentlichung in diesem Blog sprechen?
    Es ist doch eine völlig anonyme Beschreibung, die keine Zuordnung zu einem Namen zulässt.