Sollten Sie jemals kostenfrei arbeiten?

Wenn Sie als Freiberufler starten oder Ihr eigenes Kleinunternehmen gründen, kann der Anfang mit Kompromiss-Entscheidungen verbunden sein: Ziehen Sie es vielleicht in Erwägung, Ihre Leistungen kostenfrei oder zu günstig anzubieten, um einen Kundenstamm aufzubauen? Aber wann – wenn überhaupt – ist es eigentlich okay, kostenlos zu arbeiten? Eine klare Antwort darauf gibt es eigentlich nicht. Tatsächlich kann es mal Sinn machen und mal nicht. Wann also sollten Sie ein strategisch kostenfreies Angebot erstellen, um Ihr Unternehmen voranzubringen? Und wie genau stellen Sie das an, um das Beste daraus zu machen?

Neue Erfahrungen sammeln

Wissen stetig auszubauen und neue Fähigkeiten zu erlangen, ist entscheidend für Einzelunternehmer. Wenn Sie durch ein kostenloses Angebot Ihrer Dienstleistungen oder Produkte neue Erfahrungen sammeln können, ist es eine Überlegung wert. Besonders, wenn Sie Ihr Unternehmen gerade erst aufbauen.

Halten Sie zum Beispiel öfters Reden oder Präsentationen, sollten Sie perfekte Auftritte hinlegen, bevor Sie Geld dafür verlangen können. Praxiserfahrung ist da Gold wert.
Arbeiten Sie als Fotograf? Dann könnten Sie einige Ihrer Fotos für den kostenfreien Gebrauch freigeben, um Ihren Namen bekannt zu machen. (Wenn Sie Ihre Bilder unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlichen, behalten Sie dabei volle Kontrolle über Ihre Arbeit.)
Oder haben Sie eine App entwickelt? Dann wäre ein temporär kostenloser Zugang eine gute Möglichkeit, um Feedback zu sammeln, ggf. Bugs zu beheben und herauszufinden, was Sie noch verbessern können. Und, was noch warten kann.

Das wären Situationen, in denen es Sinn macht, kostenfrei zu arbeiten. Denn so können Sie Fachwissen sammeln und sich weiter verbessern. Allerdings nur für eine Weile. Lassen Sie nicht zu viel Zeit verstreichen, bis Sie auch wirklich Geld für Ihre Arbeit verlangen. Überlegen Sie vorher: Wie viele Verbesserungen und neue Features wollen Sie z.B. in Ihre App integrieren, bevor Sie sie verkaufen? Sie sollten einen Zeitrahmen dafür festlegen, da kostenlose Angebote nur eine vorübergehende Taktik sind, keine permanente.

Bekanntheit erhöhen

Wägen Sie ab, ob die Bereitstellung kostenfreier Leistungen die Zeit und Mühe wert sind. Wenn Sie von einer größeren, bekannteren Marke um ein kostenfreies Angebot gebeten werden, kann sich die Zusammenarbeit und Referenz darauf positiv auf Ihr Unternehmen auswirken. Darüber hinaus steigt so wahrscheinlich Ihre Bekanntheit und bringt Ihnen neue Kunden.

Wenn Sie diese Strategie anwenden möchten, investieren Sie dafür aber nicht zu viel Zeit – und machen Sie das auch nur, wenn Sie gerade erst am Anfang stehen. Sie könnten auch um eine Gegenleistung bitten: Vielleicht kann das Unternehmen Ihre Produkte oder Dienstleistungen ja in deren Newsletter, Postings in sozialen Netzen oder auf der Webseite erwähnen.

Infos und Hilfe bieten

Content-Marketing ist etwas ganz Hervorragendes. Nicht nur, dass Sie so Ihr Unternehmen präsentieren und zeigen, was genau Sie machen. Sie können auch Leute davon überzeugen, Ihr Angebot zu testen, damit sie später hoffentlich Kunden werden. Und Sie nehmen damit großen Einfluss darauf, als wie kompetent und vertrauenswürdig Sie wahrgenommen werden. Und auf Ihre Beliebtheit. Stellen Sie Ihre Fähigkeiten unter Beweis, indem Sie darüber berichten, wie genau Sie arbeiten und bieten Sie weitreichende Informationen über Ihr Angebot. Erläutern Sie genau, wie es den Leuten hilft, deren Probleme zu lösen oder etwas zu verbessern.

Eine tolle Möglichkeit dafür ist ein Blog. Schauen Sie sich dazu unsere Anleitung zur Erstellung richtig guter Blogartikel an:

Blogartikel schreiben – und richtig gut in Szene setzen

Falls Sie nicht gerne schreiben oder denken, nicht überzeugend genug zu schreiben, gibt es einige gute Alternativen zum Blogging wie z.B. Podcasts, Infografiken und Videos.

Sie könnten auch eine abgespeckte kostenfreie Version Ihres Produktes anbieten. Technik- und Software-Unternehmen nutzen diese Strategie gern. Benutzer können Ihr Produkt also ausprobieren, um dann auf eine kostenpflichtige Version mit zusätzlichen Features upzugraden.

Ein kleines Dankeschön

Wie wäre es, wenn Sie Ihren Kunden für einen Einkauf eine kostenfreie Leistung als kleines Dankeschön anbieten – und sich so von Ihrer Konkurrenz abheben? Das kann sogar effektiver sein als eine Preissenkung.

Wenn Sie z.B. als Friseur arbeiten, bieten Sie einen Rabatt oder eine kostenfreie Maniküre zu jedem dritten Haarschnitt an. Oder veranstalten Sie Photoshop-Schulungen? Dann stellen Sie den Teilnehmern ein kostenloses eBook zur Verfügung oder bieten einen Rabatt für die Empfehlung Ihres Kurses an einen Freund.

Wohltätigkeitsarbeit

Es gibt auch noch einen weiteren Grund, kostenlos zu arbeiten: Wenn es eine guten Sache dient, die Ihnen am Herzen liegt. Auch bei Wohltätigkeitsarbeit können Sie Ihr Wissen erweitern und besser werden in dem, was Sie tun. Und vielleicht erhöhen Sie so sogar Ihre Bekanntheit. Aber das Wichtigste ist, dass Sie sich für eine Organisation entscheiden, die Ihren persönlichen Werten und denen Ihrer Marke entspricht. Geben Sie jedoch trotzdem nicht so viel von Ihrer Zeit, damit das keinen negativen Einfluss auf Ihr Geschäft hat.

Zum Schluss

Wenn Sie in Erwägung ziehen, Ihre Leistungen kostenlos anzubieten – sei es, um bekannter zu werden, einen Kundenstamm aufzubauen oder Erfahrungen zu sammeln – denken Sie an das letztendliche Ziel: Geld zu verdienen. Kostenfrei arbeiten ist auf Dauer keine gute Strategie. Es sei denn, es handelt sich um Wohltätigkeitsarbeit. Und selbst dann sollte Ihr Unternehmen an erster Stelle stehen.

Anna Philipp

Über den Autor

Anna Philipp

Anna arbeitet seit 2006 bei DomainFactory. Als Social Media und Content Manager vertritt sie DF in den sozialen Netzwerken (Facebook, Twitter, Googleplus und natürlich im DF-Blog). In ihrer Freizeit findet man Anna - sofern sie mal nicht online ist - höchstwahrscheinlich zwischen Rührschüsseln und Schneebesen am Backofen.

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