Arbeitszeugnisse bald überflüssig?

Unter dem Titel „Arbeitszeugnis – ein Auslaufmodell?“ stellt das „Online-Karriereportal“ monster.de die zukünftige Bedeutung von Arbeitszeugnissen in Frage. Als Gründe dafür werden u.a. ihre nachlassende Aussagekraft und die Nachlässigkeit von Arbeitgebern genannt.

So hätte sich die Bereitschaft in Firmen deutlich erhöht, immer bessere Beurteilungen abzugeben, weshalb sich seit 1995 der Anteil der sehr guten Benotungen verdreifacht und die Anzahl der befriedigenden Bewertungen hingegen halbiert habe. Weiterhin seien Gefälligkeitszeugnisse, von Mitarbeitern selbst verfasste Dokumente und Form-/Grammatikfehler keine Ausnahme.

Grundsätzlich ist dies eine Einschätzung, die sich aus der Praxis durchaus bestätigen lässt. Wobei Zeugnisse sowieso nicht überbewertet werden sollten. Sie sind – wie auch im Artikel erläutert wird – ein Baustein, der zum Gesamteindruck beiträgt. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Im Zweifel ist sowieso der persönliche Eindruck entscheidend und nicht das Zeugnis.

Im Übrigen darf man auch nicht vergessen, das vor allem kleinere Firmen häufig wenig über die übliche „Zeugnissprache“ wissen und daher schnell Formulierungen genutzt werden, die gut gemeint sind aber – nach eben dieser „Zeugnissprache“ – eher negativ zu bewerten wären. Arbeitgeber und Personaler, die sich blind auf solche Angaben verlassen, werden schnell in die Irre geführt. Auch umgekehrt kann es natürlich passieren, dass ein Zeugnis nur (so) gut ausfällt weil z.B. auf diese Weise eine Vertragsaufhebung für den alten Arbeitgeber einfacher gewesen ist. Wer dann seine Intuition und das Bauchgefühl sowie alle übrigen wichtigen Faktoren ignoriert  und die Bedeutung von Arbeitszeugnissen überschätzt, wird sich unter Umständen schnell eines Besseren belehrt sehen.

Und wie sieht es mit Empfehlungsschreiben aus, die bei monster.de als „mögliche Alternative zum Arbeitszeugnis“ gesehen werden? Nun, ein solches Schreiben kann sicherlich nichts schaden. Eine Überbewertung wäre jedoch falsch und würde zudem Arbeitnehmer in die Hände ihrer Vorgesetzten geben. Denn während auf ein Arbeitszeugnis ein Anspruch besteht, ist das Empfehlungsschreiben eine freiwillige Leistung. Würde sich ein solches freiwilliges Empfehlungsschreiben also in der Arbeitswelt etablieren, wären all diejenigen Arbeitnehmer benachteiligt die – verschuldet oder unverschuldet – eben nicht im „Guten“ gehen.


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Sara Marburg

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Geschäftsführung (bis 11/13)

4 Kommentare

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  • Odde23
    Odde23 - 4. August 2010 um 16:28 Uhr

    Das Problem ist doch auch, dass heute nahezu jeder Arbeitnehmer gegen Arbeitszeugnisse, die ihm keine „hervorragende Leistung“ attestieren, vor dem Arbeitsgericht vorgeht. Man tut sich da als Arbeitgeber mit der Beweisführung dann immer schwer, da manche Dinge einfach subjektiv sind. Also stellt man eben das Arbeitszeugnis zur „stets zur vollsten Zufriedenheit“ des Angestellten aus und erspart sich somit zusätzlichen Ärger und Kosten.

  • Arno.Nyhm
    Arno.Nyhm - 4. August 2010 um 22:00 Uhr

    ich halte auch nicht viel von den arbeitszeugnissen und bei einer bewerbung habe ich die nie mitgeschickt…

  • Elisabeth Weber
    Elisabeth Weber - 17. Mai 2016 um 15:53 Uhr

    Aussagekräftig ist ein Arbeitszeugnis auch heute noch, wenn es branchentypisch formuliert ist, also mit einem umfassenden Aufgabenprofil und einem darauf angepassten Leistungsteil versehen ist, der die individuellen Stärken des Arbeitnehmers bzw. der Arbeitnehmerin wiedergibt. Hierin liegt aber auch die Problematik, da den meisten Arbeitnehmern zwar die Leistungszusammenfassung z.B.: „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ (Note 1) bekannt ist, weniger jedoch, ob die einzelnen Formulierungen auch dieser Note entsprechen und ob der Leitungsteil auch vollständig formuliert wurde. Als branchentypische Merkmale bei einem Handwerker versteht man z. B. handwerkliches Geschick, ggf. Flexibilität bei der Übernahme von Aufträgen und dem Leisten von Überstunden sowie Serviceorientierung, wenn er denn Umgang mit Kunden hat.

  • Alex Schneider
    Alex Schneider - 13. Juli 2018 um 14:36 Uhr

    habe das auch nicht in meiner Bewerbungsmappe.