Chef hört mit

Der Focus berichtet unter der Überschrift „Datenschutz: Vorsicht, Chef hört mit“ von „verwanzten Büros, überwachten Toiletten und Spitzeln in der Teeküche“ und stellt die Rechtslage aus verschiedenen Bereichen dar. Eine interssante Gelegenheit, um die hypothetische Frage „wie ist denn das bei dF?“ zu beantworten.

Thema 1: Er-Googeln von Mitarbeitern

Wer als zuständiger Vorgesetzter, Selbstständiger oder Unternehmer behauptet, niemals und unter keinen Umständen einen Bewerber „ergoogeln“ zu würden, ist entweder unehrlich oder kennt Suchmaschinen nicht. Denn auch wenn das zumindest bei uns alles Andere als die Regel ist, kann eine solche Recherche zur Prüfung zweifelhafter Angaben für den Personalverantwortlichen hilfreich sein. Nur: Das muss im Einzelfall gerechtfertig und erforderlich sein. Auch darf es unter keinen Umständen zu einer Speicherung oder sonstigen Erfassung von solchen Recherche-Erkenntnissen kommen. Es geht nur um eine persönliche Kenntnisnahme des Personalverantwortlichen im besonderen Einzelfall. Wer willkürlich für jeden Bewerber oder gar Mitarbeiter Internetsuchen vornimmt und dann solche Dinge wohlmöglich noch in die Personalakte einfließen lässt, handelt in der Regel rechtswidrig und fördert nicht gerade die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Angestellten. Mal ganz abgesehen vom moralischen Standpunkt (der leider immer seltener eine Rolle zu spielen scheint). [Edit: Gerald weist zu Recht darauf hin, dass Inhalte im Internet bewusst vom Betreffenden oder einem Dritten gefälscht sein können, um das Bild positiv oder negativ zu beeinflussen. Es ist also grundsätzlich ein sehr vorsichtige Gewichtung angebracht.]

Ob sich natürlich z.B. Kollegen gegenseitig ergoogeln usw. entzieht sich sowohl der betrieblichen Kenntnis als auch Einflussnahme.

Thema 2: Bluttests

Es mag in sensiblen, gesundheitlich kritischen Bereichen sinnvoll sein, eine solche Untersuchung vornehmen zu lassen. Bei anderen Tätigkeiten (z.B. im Büro) hat so etwas jedoch nichts zu suchen und spiegelt eine zweifelhafte Einstellung gegenüber den Bewerbern wieder. Bei uns war und ist das kein Thema. Und wird es auch nicht werden.

Thema 3: Kann der Chef meine E-Mails lesen?

Allgemein: Können wird er es in vielen Fällen irgendwie sicherlich schon, dürfen tut er es häufig jedoch nicht. Hier hängt es u.a. davon ab, ob z.B. die private Nutzung erlaubt oder ausdrücklich untersagt ist. Wir selbst greifen nicht auf Mailpostfächer von Mitarbeiter zu und würden dies auch nur im Notfall (Gefahrenabwehr, Betrugs-/Spionagefall, etc.) im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten und nach einer Einzelfallabwägung tun. Dass wir es technisch könnten, ist hingegen sicherlich keine Überraschung.

Übrigens: Ein Leseverbot gilt auch für Administratoren, die laut einem kürzlich veröffentlichten Gerichtsurteil bei Zugriff auf private E-Mails sogar fristlos und ohne Abmahnung entlassen werden können. Berücksichtigt man den enormen Vertrauensbruch und den persönlichen Inhalt solcher Nachrichten, dann erscheint das Urteil nachvollziehbar. Denn wer ganz erhebliche (z.B. technische) Rechte hat, muss diese auch mit ganz erheblicher und besonderer Sorgfalt nutzen.

Thema 4: Wer darf meine Telefongespräche belauschen?

Bei z.B. Schulungen oder zur Qualitätssicherung kann bei uns im Einzelfall ein Kollege oder Vorgesetzter bei einem Telefonat anwesend sein. Ohne Zustimmung des Gesprächspartners „lauschen“ wir bei dem Gespräch nicht mit, sondern versucht nur, nach dem Telefonat Ansätze für Verbesserungen in der Gesprächsführung  zu finden. Bei neuen MitarbeiterInnen fragen wir zudem auch Anrufer, ob ein Vorgesetzter direkt in der Leitung mithören darf, um eingreifen bzw. eben Schulungen vornehmen zu können. Eine sonstige Überwachung von Telefonaten erfolgt hingegen nicht und bei privaten Gesprächen im üblichen, geringen Umfang während der Pausen drücken wir gerne beide Augen (und Ohren) zu. Für die Zukunft könnte eine Aufzeichnung eingehender Supportanrufe in Frage kommen, da sowohl von Mitarbeiter- als auch Kundenseite solch eine Aufnahme in Streitfällen schon mehrfach als wünschenswert genannt worden ist. Hierzu ist jedoch in Folge der komplexen, rechtlichen Situation noch keine abschließende Entscheidung getroffen worden. Immerhin muss auch die technische Umsetzung allen juristischen und Datenschutz-Aspekten vollständig entsprechen.

Thema 5: Wo dürfen Kameras installiert werden?

In unseren Büroräumen setzen wir keine Kameras zur Überwachung von MitarbeiterInnen ein. Dies käme nur in Betracht, wenn z.B. nach Diebstählen eine temporäre, verdeckte Aufzeichnung erforderlich wäre und kein milderes Mittel zur Wahl stünde. Im Rechenzentrum gibt es natürlich entsprechende Schutzmaßnahmen im Gelände und Gebäude, die dem grundsätzlichen Betriebsschutz dienen. Dies gilt auch für das Gebäude, in dem sich die von uns gemieteten Büroflächen befinden.

Thema 6: Dürfen Unternehmen auch Familien von Mitarbeitern bespitzeln?

Eine ziemlich absurde Vorstellung. Klar, irgend ein spezielles Szenario könnte man sich vielleicht vorstellen („Einkäufer kauft bei einer Firma ein, die man routinemäßig bei einem Wirtschafts-Auskunftsdienst überprüft und als deren GF dabei ein offensichtlicher Angehöriger des Einkäufers auftaucht“). Neben der Feststellung „oh, das sieht nach einem Interessenkonflikt aus, darum müssen wir uns kümmern“ gibt es selbst dann aber ja keine Gründe für eine Bespitzelung. Sofern sich Anzeichen für eine Straftat ergeben, ist bei nicht möglicher direkten Aufklärbarkeit des Sachverhaltes die Staatsanwaltschaft für die Ermittlung zuständig. Und nicht irgend eine selbsternannte Schnüffelnase.

Thema 7: Wann darf mein Chef mich zum Amtsarzt schicken?

Eine so verfahrene Situation, dass man darüber auch nur nachdenken müsste, hatten wir hier zum Glück noch nicht. In Frage käme das sicherlich nur wenn die Gesundheit anderer Kollegen gefärdet wäre oder sich der Eindruck einer „Blaumacherei“ geradezu aufdrängt und sich auch keinerlei andere Lösung mehr anbietet. Insgesamt schwer vorstellbar.

Thema 8: Wann muss das Unternehmen meine Daten löschen?

Was die Aufbewahrung von Unterlagen angeht, gelten die rechtlichen Aufbewahrungsfristen. Ansonsten haben wir keine elektronischen Daten über Mitarbeiter. Nicht mehr relevante Unterlagen werden zudem regelmäßig vernichtet (Zug um Zug mit Archivierung der Unterlagen aus dem Personalordner in einem Sammelarchivordner).

Wie man also sieht, geht es bezüglich solcher Dinge bei uns sehr unspektakulär zu. Eben so, wie es der gesunde Menschenverstand und ein gutes Miteinander eben auch erfordern. Das sollte selbstverständlich sein und ist es sicherlich/hoffentlich in der Regel – trotz aller schlimmer Einzelfälle – immer noch.

Nachtrag: Interessant sind auch die Leserkommentare bei Focus Online dazu, die man teilweise doch mit Verwunderung zur Kenntnis nehmen muss.

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Sara Marburg

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Geschäftsführung (bis 11/13)

4 Kommentare

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  • Gerald
    Gerald - 17. November 2009 um 17:52 Uhr

    Punkt 1 ist kein sicheres Mittel. Schlaue Köpfe können falsche Daten ins Netz stellen und sich absichtlich finden lassen. Im Gegenzug können auch Personen über andere Personen schlechtes verbreiten oder Daten fälschen.

  • Michael
    Michael - 17. November 2009 um 21:05 Uhr

    Tja zu Punkt 1 kann ich folgendes sagen man sollte keine Verwanden haben die in bestimmten Bereichen tätig sind und auch noch denn selben Namen Teilen da kann es schon mal bei den Kollegen zu Gelächter kommen.

  • Gerald
    Gerald - 18. November 2009 um 09:38 Uhr

    In meiner Gegend wohnen 2 weitere Bürger die denselben Vor- und Nachnamen haben und ebenfalls im Internet aktiv sind. Jeweils in verschiedenen Bereichen. Was soll ich sagen…eines Tages hatte ich plötzlich Frau und sieben Kinder 😀

  • Moritz
    Moritz - 18. November 2009 um 13:29 Uhr

    Ist doch nett, ne Frau über Nacht und dann gleich noch sieben Kinder – schick! 🙂