„Ermittlungsverfahren gegen Sie“

Angst und Verunsicherung sollen Betrügern derzeit dabei helfen, unbedarfte Anwender um 100 Euro zu betrügen. Dazu versenden die Täter eine personalisierte Massenmail im Namen eines (realen, jedoch unbeteiligten) Anwaltes. Dem jeweiligen Empfänger wird darin vorgeworfen, sich durch Urheberrechtsverstöße strafbar gemacht zu haben. Eine Strafanzeige sei bereits erstattet worden, auf dem Wege einer Schadensersatzzahlung in Höhe von 100 € ließen sich  jedoch Maßnahmen wie eine Hausdurchsuchung noch abwenden. Für die Abwicklung wird ein Payment-Anbieter angegeben, bei dem eine Guthabenkarte gekauft und die zugehörige PIN-Nummer dann an eine E-Mailadresse gesendet werden soll:

Guten Tag,

in obiger Angelegenheit zeigen wir die anwaltliche Vertretung und Interessenwahrung der Firma V******** GmbH,  M******* Str. **, 4**** E****, an.

Gegenstand unserer Beauftragung ist eine von Ihrem Internetanschluss aus im sogenannten Peer-to-Peer Netzwerk begangene Urheberrechtsverletzung an Werken unseres Mandanten. Unser Mandant ist Inhaber der ausschliesslichen Nutzungs- und Verwertungsrechte im Sinne der §§ 15ff UrhG bzw. § 31 UrhG an diesen Werken, bei denen es sich um geschutzte Werke nach § 2 Abs 1 Nr. 1 UrhG handelt.

Durch das Herunterladen urherberrechtlich geschutzer Werke haben sie sich laut § 106 Abs 1 UrhG i.V. mit §§ 15,17,19 Abs. 2 pp UrhG nachweislich strafbar gemacht. Bei ihrem Internetanschluss sind mehrere Downloads von musikalischen Werken dokumentiert worden.

Aufgrund dieser Daten wurde bei der zustandigen Staatsanwaltschaft am Firmensitz unseres Mandanten Strafanzeige gegen Sie gestellt.

Aktenzeichen: 350 Js ***/10 Sta *****
Ihre IP Adresse zum Tatzeitpunkt: **.***.**.***
Ihre E-Mail Adresse: *****@**********
Illegal heruntergeladene musikalische Stucke (mp3): 13
Illegal hochgeladene musikalische Stucke (mp3): 21

Wie Sie vielleicht schon aus den Medien mitbekommen haben, werden heutzutage Urheberrechtverletzungen erfolgreich vor Gerichten verteidigt, was in der Regel zu einer hohen Geldstrafe sowie Gerichtskosten fuhrt. Link: Urheberrecht: Magdeburger muss 3000 Euro Schadensersatz zahlen

Genau aus diesem Grund unterbreitet unsere Kanzlei ihnen nun folgendes Angebot: Um weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und anderen offiziellen Unannehmlichkeiten wie Hausdurchsuchungen, Gerichtsterminen aus dem Weg zu gehen, gestatten wir ihnen den Schadensersatzanspruch unseres Mandanten aussergerichtlich zu loesen.

Wir bitten Sie deshalb den Schadensersatzanspruch von 100 Euro bis zum 18.10.2010 sicher und unkompliziert mit einer *****-Karte zu bezahlen. Eine ***** ist die sicherste Bezahlmethode im Internet und fur Jedermann anonym an Tankstellen, Kiosken etc. zu erwerben. Weitere Informationen zum ***** Verfahren erhalten Sie unter: http://www.*****.***/de Senden Sie uns den 19-stelligen Pin-Code der 100 Euro ***** an folgende E-Mailadresse zahlung@*****.info

Geben Sie bei Ihre Zahlung bitte ihr Aktenzeichen an!

Sollten sie diesen Bezahlvorgang ablehnen bzw. wir bis zur angesetzten Frist keinen 19- stelligen ***** PIN Code im Wert von 100 Euro erhalten haben, wird der Schadensersatzanspruch offiziell aufrecht erhalten und das Ermittlungsverfahren mit allen Konsequenzen wird eingeleitet. Sie erhalten dieses Schreiben daraufhin nochmals auf dem normalen Postweg.

Hochachtungsvoll,
Rechtsanwalt *** ***

Selbstverständlich sollte man auf diese und ähnliche Drohmails auf keinen Fall reagieren. In „realen“ Fällen werden sich die Anspruchsteller kaum per E-Mail sondern auf dem Postwege melden und ein zivilrechtlich geleisteter Schadensersatz  führt sowieso nicht automatisch zur Einstellung eventueller strafrechtlicher Ermittlungen.

Ärgerlich ist der Fall übrigens auch für den als Absender angegebenen Rechtsanwalt, dessen guter Name unter den unerwünschten Massenmails leidet. Zumal die Täter eine Internetadresse nutzen, die mit Ausnahme der Domainendung (.info statt .de) mit der echten Anwaltswebseite identisch ist. Es lohnt sich daher, immer mit wachen Augen und geschärftem Verstand im Netz unterwegs zu sein, denn nicht alles was in einer Mail oder auf einer Webseite steht stimmt auch.

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DomainFactory

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5 Kommentare

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  • Gerald
    Gerald - 18. Oktober 2010 um 13:23 Uhr

    Äußerst kreativ…wirklich äußerst kreativ. Ein gescheiteteter Jurastudent? 😉

  • Annamirl
    Annamirl - 18. Oktober 2010 um 15:56 Uhr

    Oh ist das fies! Unglaublich!

  • Enigma
    Enigma - 18. Oktober 2010 um 23:44 Uhr

    Es existiert dort sogar eine Kopie der Startseite der echten Website (vermutlich eine etwas ältere Version) inkl. Foto des Rechtsanwalts. Und im Vergleich zu den meisten (plumpen bis lächerlichen) Betrugsversuchen, die meine Spamfilter passieren, ist dieser recht gut gemacht.

    Ich habe eine solche Mail bereits vor einiger Zeit erhalten, etwas recherchiert und den Rechtsanwalt informiert. Mag sein, dass ich der Fünfzigste war, dennoch hatte ich zumindest eine Antwort erwartet, die aber nicht kam. Na ja, wenn die Herren die Ärmel hochgekrempelt und Bösewichter gejagt haben, will ich ihnen das nicht zu übel nehmen. 😉

  • Tom
    Tom - 19. Oktober 2010 um 09:21 Uhr

    hübsch, gerade auf 5 accounts in der firma bekommen. kein kunde von d(f. 😉