Eszett erfreut nicht

Nachdem die DENIC gestern ihre Mitglieder über die zeitnahe Einführung von Domainnamen mit einem Eszett im Namen informiert hat, können wir heute zusammenfassend sagen: We’re not amused. Das hat gute Gründe:

  1. Die Ganze ist viel zu kurzfristig passiert. Innerhalb von gut drei Wochen „müssen“ wir nun die Inhaber einer fünfstelligen Zahl von .de-Domains mit einem Doppel-s im Namen kontaktieren und diesen die Möglichkeit geben, die zugehörige Eszett-Domain gemäß den (strengen!) Bedingungen der Vergabestelle zu registrieren.
  2. Die technischen Herausforderungen sind groß und verschlingen wertvolle Arbeitszeit in der – auch so bereits gut ausgelasteten – Entwicklungsabteilung. Denn es handelt es sich um einen neuen Standard, der bisher nicht von unseren Systemen und Standardanwendungen unterstützt wird.
  3. Auch wenn alleine bei uns – wie oben erwähnt – eine fünfstellige Domainanzahl „betroffen“ ist, handelt es sich doch um eine norme Nische. Am Ende werden vermutlich zwar einige Domains mit „ß“ registriert aber nur wenige davon aktiv genutzt werden (können). Viel Stress für wenig Nutzen also.
  4. Die Prüf- und Dokumentationspflichten sind höher als bei normalen Domainregistrierungen. Dies gelte vor allem, wenn wir die Eszett-„Version“ von nicht bei uns registrierten Doppel-s-Domains zur Vorregistrierung annehmen würden. Zwar werden wir uns daher voraussichtlich nur auf bereits bei uns gehostete Internetadressen mit Doppel-s beschränken, der Aufwand bleibt jedoch immer noch sehr hoch, da die Abwicklung in einem manuellen Verfahren für die Auftragsprüfung, Bestelldurchführung und Nachweisführung münden wird.
  5. Das Alles kostet richtig viel Geld. Und nicht nur bei der Technik/Entwicklungsabteilung, die ja erst mal alle Systeme mit viel Einsatz fit für „ß“ machen muss. Aufgrund der o.g. Anforderungen müssen wir hingegen auch im Bereich der Vertragsbearbeitung einen ganz erheblichen Zeitaufwand einrechnen, da wir eben alle Aufträge manuell prüfen, dokumentieren und abwickeln werden. Hinzu kommt der Aufwand, wenn Aufträge nicht 100%ig korrekt ausgefüllt sind (Kundenrücksprache usw.) oder wir Nachweise vorlegen müssen.  Der rechtliche und administrative Zeitaufwand sei darüber Hinaus am Rande ganz kurz erwähnt. Alleine seit gestern Nachmittag ist über alle beteiligten Personen in der Summe  bereits ein ordentliche Stundenzahl angefallen.
  6. Bedingt durch unsere eigenen Mehrkosten sind wir leider dazu gezwungen, eine einmalige Einrichtungsgebühr in Höhe von voraussichtlich 9,95 € inkl. Mehrwertsteuer je Eszett-Domain während der Vorregistrierungsphase zu erheben. Die damit verbundene Mehrbelastung unserer Partner bedauern wir und ärgert uns sehr. Als Alternative wäre jedoch nur die Nichtteilnahme an der Vorregistrierungsphase  verblieben, was wir für nicht zumutbar halten. Auch wenn das tatsächliche Nachfragevolumen schwer einschätzbar ist und eventuell sogar viele Inhaber einer Doppel-s-Domain dankend abwinken werden, sollten und wollen wir unseren Kunden die verfügbare Option der Vorregistrierung nicht verschließen.
  7. Die derzeit marktüblichen Browser, Mailprogramme und anderen Anwendungen können mit dem „ß“ in Internetadressen nicht viel anfangen und werden ggf. fehlerhaft arbeiten bzw. einfach auf die Doppel-s-Version der Domain „umleiten“. Wenn einem Kunde beide Domainvarianten gehören, ist das kein Problem. In anderen zukünftig durchaus möglichen Fällen wird die Freude hingegen gering sein.
  8. Wir haben eigentlich genügend andere, produktivere und für Kunden wichtigere Dinge zu tun.

Aber gut, so ist es nun eben und wir tun unser Bestes, um eine akzeptable und allseits tragbare Lösung zu finden. Gespannt sind wir immerhin darauf, wie groß der Bedarf an der Eszett-Variante bei den Inhabern der bei uns registrierten Doppel-s-Domains sein wird. Zwischen einer niedrigen zweistelligen bis hin zu fünfstelligen Zahlen können wir uns eine große Bandbreite vorstellen und müssen dafür gerüstet sein. Am Ende werden wir dabei nur verlieren können. Entweder überrent uns die Nachfrage und wir kommen mit der manuellen Bearbeitung nicht hinterher. Dann hätte sich wenigstens der technische Aufwand um die Systeme fit zu machen gelohnt. Oder die Nachfrage wird sehr, sehr gering sein. Das führt dann zu einem geringeren, manuellen Aufwand bei jedoch gleich hohem Arbeitsanfall in der Entwicklungsabteilung. Vielleicht liegt es am Ende ja auch zwischen diesen beiden „Extremen“ und wir kommen leicht gerupft aber ansonsten unbeschadet aus dieser Situation heraus.

Wir werden es sehen ;-).

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Sara Marburg

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Sara Marburg

Geschäftsführung (bis 11/13)

12 Kommentare

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  • Christian Kler
    Christian Kler - 27. Oktober 2010 um 13:43 Uhr

    Mich würde interessieren, wieso der Unterschied zwischen den damals eingeführten Umlaut-Domains liegt. Ich meine, kann man das praktisch nicht „einfach“ anpassen?

    Danke für eine Antwort,

    Christian Kler

  • mar-e
    mar-e - 27. Oktober 2010 um 13:52 Uhr

    Idee: Der Bedarf würde sich besser abschätzen lassen durch einen Frühbucherrabatt: Wer sich in den nächsten n Tagen verbindlich vorregistriert, zahlt weniger; wer später kommt, zahlt mehr.

  • Sara
    Sara - 27. Oktober 2010 um 13:56 Uhr

    @Christian Kler: Der bisherige Standard war „IDN2003“, der nun genutzte Standard ist „IDNA2008“. Leider wird dieser eben nicht von den üblichen Standardbibliotheken, Systembestandteilen, usw. unterstützt. So wandelt z.B. die Bibliothek „libidn“ ein „ß“ immer in „ss“ um. Wie man unter http://www.denic.de/domains/internationalized-domain-names/idns-und-sicherheit/idn-faehige-programme.html stehen kann, ist die Anzahl der mit IDNA2008 kompatiblen Anwendungen noch *sehr* überschaubar.

    mar-e: Die 9,95 € sind knapp kalkuliert und für den Schwellenwert „9,95 €“ abgerundet. Um einen Frühbucherrabatt zu ermöglichen, müssten wir den regulären Wert also bei z.B. 12,95 € ansetzen. Eine solche „Mogelpackung“ möchten wir einfach vermeiden. (Unter die 9,95 € können/möchten wir voraussichtlich auch nicht gehen, da unsere Kosten und unser Aufwand egal ob bei Frühbuchern oder späteren Bestellern während der Vorregistrierungsphase immer gleich groß sind. Sofern wir den Preis noch niedriger ansetzen können sollten, möchten wir das dann aber natürlich auch für alle Interessenten tun).

  • Christian Kler
    Christian Kler - 27. Oktober 2010 um 14:25 Uhr

    @Sara: Ok, das ist natürlich vollkommen ungünstig und ich verstehe jetzt, wo genau das Problem liegt.

    Danke!

    Christian Kler

  • MissVip
    MissVip - 27. Oktober 2010 um 17:56 Uhr

    Ich hab dieses Eszett nicht auf der Tastatur. Müsste ich dann beim Tippen einer URL die Sonderzeichentabelle bemühen?

  • andreaz
    andreaz - 27. Oktober 2010 um 20:35 Uhr

    Um mal von uns eine Zahl zu nennen: Wir haben ca. 8 Domains mit „ss“ (abzgl. Wortzusammensetzungen), von denen wir uns ca. 5 ziehen werden. D. h. unterm Strich denke ich es sind ca. 25% (eben wegen d. Wortzusammensetzungen).

    Grüße
    Andreas

  • Arno.Nyhm
    Arno.Nyhm - 28. Oktober 2010 um 00:13 Uhr

    ich frage mich, warum die denic das immer (wie bei den 1Zeichen und 2Zeichendomains) so kurzfristig bekannt gibt!?

  • U. Klauer
    U. Klauer - 28. Oktober 2010 um 02:44 Uhr

    Um Klagen auf Registrierung von ß-Domains zuvorzukommen, denke ich mal. Auch bei den Kurzdomains war der Anlaß ja, daß ein Unternehmen sich die Registrierung seines (zweibuchstabigen) Namens als .de-Domain erklagt hatte und weitere Interessenten in den Startlöchern standen.

  • Sepp0815
    Sepp0815 - 28. Oktober 2010 um 08:28 Uhr

    Wie läuft die Kontaktierung bei Domaininhabern von Reseller ab? Ich hoffe dF kontaktiert hier die Reseller und nicht die Endkunden.

  • Sara
    Sara - 28. Oktober 2010 um 08:30 Uhr

    @Sepp0815: Selbstverständlich kontaktieren wir – wie gewohnt – nur unseren Vertragspartner und nicht dessen eventuelle Endkunden oder Mitnutzer.

  • Rabensohn
    Rabensohn - 28. Oktober 2010 um 11:13 Uhr

    Ich frage mich ja ob das Ganze nicht gegen den grundsätzlichen Gedanken des Internets prallt… natürlich ist es jetzt zu spät, aber mit dem „Latein“ waren über mehr als ein Jahrzehnt doch auch alle mehr oder weniger „zufrieden“. Chinesische Tastaturen hatten sogar einen lateinischen Zeichensatz beigefügt.

    Jetzt wird das Internet viel lokaler, denn ich werde mich garantiert NICHT bemühen für eine möglicherweise internationale Seite einen Seitennamen in, für mich, vollkommen fremdartigen Zeichen einzugeben.

    Klar, ich verstehe schon, dass es für die jeweiligen lokalen Projekte durchaus mitunter vorteilhaft sein mag in der eigenen Sprache bzw. den eigenen Zeichen Domains registrieren zu können.

    ABER: Als Schelm der stets Böses dabei denkt, glaube ich, dass es REIN um den Profit geht, da gewisse Namen und Eigenheiten jetzt doppelt und dreifach registriert werden können/sollen/müssen sowie ein weitaus größerer Pool an Domains bereit steht.

    Geld regiert die Welt 🙁

  • Boris
    Boris - 29. Oktober 2010 um 01:43 Uhr

    Ich finde es allgemein sehr gut das Umlaute sowie des „ß“ benutzbar gemacht werden.

    Warum das allerdings mit einer so geringen vorankündigungs Frist passiert verstehe ich auch nicht.

    Noch weniger verstehe ich warum man wenn nicht ä,ö,ü,ß auf einmal hinzugefügt hat – warum kompliziert in 2 Schritten?

    my 2 cent