Großzügige schwarze Schafe

Das Internet hat in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung vollzogen und mit ihm auch viele Branchen, deren Geschäftsmodell direkt oder indirekt auf dem World Wide Web basiert. Dazu zählen auch die Domainanbieter, die im Auftrag ihrer Kunden Domainnamen bei den unterschiedlichen Vergabestellen der Top-Level-Domains registrieren.

Haben sich durch diese Entwicklung einige große und viele kleine durchaus seriöse Unternehmen gebildet, so gibt es dennoch leider immer wieder einige schwarze Schafe, die mit zweifelhaften Geschäftspraktiken auf sich aufmerksam machen.

Besonders beliebt sind dabei an Domaininhaber versendete Schreiben, die an die im Whois-Eintrag von Domains einsehbare E-Mail- oder postalische Adressen versendet werden. Darin wird der Eindruck erweckt, man müsse unbedingt seine Domain (natürlich über den jeweiligen Absender) verlängern, um diese nicht zu verlieren. Häufig sind die Kommunikationselemente dabei so aufgebaut, dass der Eindruck eines „offiziellen Schreibens“ einer Vergabestelle erweckt werden soll. Einen solchen Fall hatten wir vor einiger Zeit bereits hier im Blog beispielhaft dokumentiert.

Während diese Vorgehensweise schon zu Zeiten des New Economy Booms zu beobachten war und sich leider nach wie vor hartnäckig hält, ist in jüngerer Vergangenheit eine andere Masche zu beobachten, mit der versucht wird, Domainnamen zu völlig überteuerten Preisen an Mann oder Frau zu bringen. Dabei werden gezielt Unternehmen kontaktiert mit dem Hinweis, dass eine dritte Person bei dem entsprechenden Anbieter gerade versucht habe, den Namen des Unternehmens als Domain mit einer Top-Level-Domain zu registrieren, unter welcher der entsprechende Name noch nicht vergeben ist. Da man bei einer Überprüfung festgestellt habe, dass der Kontaktierte bereits Inhaber der Domain unter einer anderen Top-Level-Domain ist, möchte man dem Unternehmen großzügigerweise die Möglichkeit einräumen, die fragliche Domain zu registrieren und den angeblichen Registrierungsversuch der dritten Person zurückhalten.

In leicht abgewandelter Form werden für diese Masche auch angebliche Markenanmeldungen herangezogen, in deren Zusammenhang der Anbieter auch Anmeldungen für Domainnamen erhalten habe. Da man bei Recherchen festgestellt habe, dass das Unternehmen Rechte aufgrund einer bestehenden eingetragenen Marke besitzt, möchte man selbstverständlich die Möglichkeit zur Sicherung der fraglichen Domains einräumen, bevor man der eigentlichen Bestellung stattgeben würde.

Ein (tatsächliches) Beispiel für eine solche E-Mail:

Dear President&CEO,

We are an organization specified at dealing with domain name dispute and registration in Asia. We have something important on intellectual property right need to confirm with your company.

On September 2, 2010, we received an application formally, one company named „Unternehmen XY“ applied for the Brand keyword „Markenname“ and some domain names with our organization.

After checking, we found your company is the original trademark owner. If the company’s action haven’t been authorized by your company, so their behavior will conflict with your interests. In order to deal with the matter better, please contact us ASAP.

In addition, we hereby affirm that our time limit is 7 workdays. if your company files no reply within the time limit, we will unconditionally approve the application submitted by „Unternehmen XY“.

Best Regards,

Reagiert man auf diese erste E-Mail, wird in einem weiteren Schreiben der angebliche Hintergrund weiter ausgeführt:

Dear,

I am glad you can contact me in time.

The several questions below I should explain to you.
Firstly, if you have no relationship with „Unternehmen XY“, according to our working experience, there are two possibilities.
a.“Unternehmen XY“ is a domain name investment company, they want to register these names before you and sell them back to you in order to gain profits;
b.It may be a commercial method, „Unternehmen XY“ is consigned by your competitor to register these domain names, they are trying to replicate your idea and let your customers feel confused.
„Unternehmen XY“ wanted to apply for the following domain names which you have not registered yet, for your information:
markenname.net
markenname.biz
and Internet Keyword:
markenname

Secondly, because domain name takes open registration, this is international domain name registration principle. For example, google.com.cn & google.cn had been registered by other company. And Goolge had paied 1 million dollars to get the two domain names back. So „Unternehmen XY“ has right to register it. As a domain name registrar, we have no right to dispute their application. So required by government to inform your company to protect your interest.

As the owner of „markenname.at“,you will get the priority to register these domain names and Internet Keyword.
If you don’t think their application will affect your company, you can give up, we will finish their registration.
But if you think their registration will confuse your clients and harm your profits, we can send an application form to you and help you register these within dispute period. This is the only way to prevent domain name grab.

Hope you can give me your decision ASAP. So that we can handle the next step, please do not hesitate to contact me if you have any questions.

Best Regards,

Im weiteren Verlauf der Korrespondenz würde dem kontaktierten Unternehmen dann ein Angebot über die Registrierung der angeblich angefragten Domains zugehen. Nicht selten zu Preisen im mittleren dreistelligen Euro- oder Dollar-Bereich, also zu einem Vielfachen des marktüblichen Preises.

Allen Methoden gemeinsam ist die Dringlichkeit, die in der Korrespondenz erweckt werden soll: Natürlich muss der Angeschriebene unbedingt schnellstmöglich reagieren um nicht Gefahr zu laufen, dass die Domains durch eine dritte Person registriert werden. Kennt man sich als Kontaktierter dann nicht mit Themen rund um die Domainregistrierung aus, kann es durchaus leicht vorkommen, auf eine solche Masche hereinzufallen.

Im Zweifelsfall gilt daher: Am besten immer zuerst an den Provider wenden, über welchen man seine Domains registriert hat. So lassen sich die meisten dieser Fälle sehr schnell identifizieren und erledigen.

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Peter Mueller

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Peter Mueller

Geschäftsführung (bis 11/14)

2 Kommentare

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  • Sebastian Winkelmann
    Sebastian Winkelmann - 27. September 2010 um 18:22 Uhr

    Schön dass Ihr (auch) darauf eingeht: bei mir ist der – konkret dieser – Fall grade eine Woche her. Ich habe kurz gestutzt, und weitergelesen, weil der Spam nicht offensichtlich auffiel, dann aber auch Klarheit erlangt.

  • Daniel Brinkmann
    Daniel Brinkmann - 8. Oktober 2010 um 11:29 Uhr

    Ich bekomme auch regelmäßig soclhe Schreiben, ganz häufig aus China.