Mal eben schnell übertragen

Firma A ist nicht mehr zahlungsfähig. Noch weiß das aber niemand. Was macht man also? Es wird mal eben eine Firma B errichtet, auf die alle bei uns geführten Domainnamen noch flink übertragen werden. Anschließend werden jede Menge Lastschriften zurückgegeben und offiziell Insolvenz angemeldet, woraufhin das Gericht Firma A mangels Masse löscht.

Ergebnis: Wir haben Forderungen in Höhe von über 500 € gegen einen Vertragspartner, der nicht mehr existiert. Die dahinter stehenden Personen lachen sich vermutlich ins Fäustchen und führen ihre Webseiten einfach unter einer neuen Kundennummer bei uns weiter. Kapitalgesellschaften sind halt schon praktisch.

Es ist klar, dass wir das in diesem konkreten Fall nicht einfach so auf uns beruhen lassen. Denn irgendwo hört der Spaß dann ja auch mal auf. Wer vor der Insolvenz steht und jede Menge Schulden hat tut jedenfalls gut daran, nicht einfach die Firmenwerte (und dazu gehören eben auch Domainnamen und die zugehörigen Inhalte) zu verschieben und dann das Unternehmen den Bach runter gehen zu lassen. Straf- und zivilrechtlich gibt es da mehrere Ansatzpunkte, die wir auch verfolgen werden. Aber vermutlich werden sich die Akteure irgendwie aus der Affäre ziehen.  Zumal es bei den Beteiligten absehbar nicht viel zu holen geben wird, wenn man so die vorhandenen schulnerregisterlichen Eintragungen ansieht.

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Sara Marburg

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Sara Marburg

Geschäftsführung (bis 11/13)

8 Kommentare

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  • Odde23
    Odde23 - 31. März 2010 um 09:10 Uhr

    Wen ich mich recht entsinne, sind aber Handlungen, die ein Unternehmen vorsätzlich in die Insolvenz treiben, bzw. das Abziehen von Vermögenswerten aus Kapitalgesellschaften, die vor der Zahlungsunfähigkeit stehen, strafrechtlich relevant. Ich würde da an Ihrer Stelle anwaltlichen Rat einholen und ggf. Starfanzeige gegen die Geschäftsführer erstatten. Ich hatte das mal in einem ähnlichen Fall so gehandhabt. Die Strafanzeige hat wahre Wunder bewirkt.

  • MissVip
    MissVip - 31. März 2010 um 10:36 Uhr

    Wieso kann dF da nicht einfach die Domains sperren? Ich dachte, das geht relativ schnell, wenn nicht bezahlt wird.

  • jens
    jens - 31. März 2010 um 10:55 Uhr

    @MissVip
    Weil das DF doch nur bei den „normalen“ Kunden und kleinen Firmen macht.

  • darki
    darki - 31. März 2010 um 11:25 Uhr

    Da vermutlich die Firma unter B rechtlich eigenständig ist und dort ja keine offenen Posten bestehen, gibt es keine Grundlage für eine Sperrung.
    Wenn ich das richtig herauslese, wurde Firma A auch erst zahlungsunfähig und es gingen Rechnungen zurück, nachdem die Domains auf Firma B übertragen wurden.

  • Tobia Sara
    Tobia Sara - 31. März 2010 um 11:28 Uhr

    MissVip, Jens: Ganz einfach: Der neue Vertragspartner hat ja keine offenen Posten und der alte Vertragspartner keine zu sperrenden Leistungen mehr. Dies war ja offensichtlich auch Ziel der ganzen Aktion.

    Würden wir nun einfach die Domains sperren, obwohl der neue Vertragspartner keine OP hat, wäre das nicht rechtlich gedeckt. Denn trotz der Hintergründe ist es eben erst einmal eine eigenständige juristische Person die hier nicht haftet für Verbindlichkeiten einer anderen juristischen Person.

    Sicher hätten wir der Abtretung nicht zugestimmt, wenn der Abtretende OP gehabt hätte zu diesem Zeitpunkt. Nachdem zum Abtretungszeitpunkt keine offenen Posten vorhanden waren, wurde die Abtretung durch uns angenommen.

    Jens: Eine Sperrung oder Nichtsperrung richtet sich nicht danach, ob ein Kunde groß oder klein ist, sondern ob Zahlungsverzug besteht und wir eine andere, individuelle Absprache getroffen haben oder nicht. Wir haben schon kleine Kunden gesperrt – und auch nicht gesperrt. Und große Kunden gesperrt – und auch nicht gesperrt.

  • MissVip
    MissVip - 31. März 2010 um 13:35 Uhr

    Dann wird es vielleicht nicht mehr lange dauern, bis offene Posten da sind 🙁 Wenn dF beweisen kann, dass Firma A den von Odde23 erwähnten Tatbestand erfüllt, könnten die Domains doch trotzdem gesperrt werden. Dagegen müsste Firma B doch auch erst mal vorgehen, was dauert. Dann wäre Firma B im Zugzwang. Und bis dahin könnten sie mit ihren Seiten kein Geld scheffeln.

  • Rainer.D
    Rainer.D - 2. April 2010 um 01:40 Uhr

    Wenn die Leute Hosting-Leistungen verschieben, dann verschieben die vermutlich noch ganz andere Werte, wenn die entsprechend gepolt sind. Übrigens sind Geschäftsführer von Kapitalgesellschaften nicht so unantastbar. Stichwort: „Haftungsdurchgriff“. Die Materie ist aber kompliziert und etwas für Fachleute … 🙂