Überwachungsmaßnahme als Vorteil verkauft

Man erlebt ja viel in der Hosting-Branche und glaubt, schon alles gesehen zu haben. Aber Pustekuchen: Immer wieder schafft es jemand, einen aufs Neue zu überraschen. Aktuell: Ein Mitbewerber erfüllt die gesetzliche Pflicht der „Telekommunikations-Überwachungsverordnung“. Diese verlangt die Bereithaltung einer Überwachungs-Infrastruktur, z.B. für E-Maildienste.

Sicherlich nichts also, was Kunden besonders freut. Dennoch schafft es ein Webhoster, diese Erfüllung gesetzlicher Überwachungspflichten als Vorteil und Pluspunkt zu verkaufen – unter sehr großzügiger Ausdehnung der Sachlage:

  1. Werbung mit „TKÜV zertifiziert“: Erinnert auch optisch an ein TÜV-Siegel, hat aber nichts damit zu tun. Die Erfüllung der Pflichten aus der TKÜV stellen keinen für den Kunden spürbaren Nutzwert dar.
  2. „So ist jederzeit ein sicherer Betrieb … gewährtleistet“ -> was für ein Unsinn, die Erfüllung der TKÜV hat keinen Einfluss auf die Serversicherheit oder den sicheren Serverbetrieb.
  3. „Unsere Server sind seit 2005 von öffentlicher Stelle geprüft und zertifiziert und entspechen so den Richtlinien der TKÜV“ -> schön, und nun? Die gesetzlichen Überwachungspflichten gem. TKÜV werden erfüllt. Was soll’s? Fehlt nur noch die stolze Erklärung, dass Steuern gezahlt und Sozialabgaben entrichtet werden.

Es ist schon verwunderlich, wie hier ein für den sicheren und stabilen Hostingbetrieb völlig unerheblicher Sachverhalt so zurecht gedreht wird, bis er sich als Vorteil verkaufen lässt. Und auch noch mit einem Logo garniert wird, welches spontan Assoziationen mit einen TÜV Siegel hervorzurufen scheint.

Wie auch immer: das ist irreführend und unfair gegen über den Kunden die – augenscheinlich: gezielt – in die Irre geführt werden hinsichtlich der TKÜV („wow mein Hoster ist TKÜV zertifiziert, toll“). Ich als Kundin würde mich jedenfalls veräppelt fühlen.

End of article

Sara Marburg

Über den Autor

Sara Marburg

Geschäftsführung (bis 11/13)

6 Kommentare

Bitte füllen Sie das Captcha aus : *

Reload Image

Die von Ihnen hier erhobenen Daten werden von der domainfactory GmbH zur Veröffentlichung Ihres Beitrags in diesem Blog verarbeitet. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte folgendem Link: www.df.eu/datenschutz


  • Gerald
    Gerald - 30. Oktober 2009 um 13:35 Uhr

    Bei Einsatz modernster Technik hat er davor ein „Überwachungs“ vergessen 😆

  • Florian König-Heidinger
    Florian König-Heidinger - 30. Oktober 2009 um 13:53 Uhr

    TKÜV bedeutet erstmal nur: Schäuble liest mit.

    Vielleicht spricht der Provider damit eine neue Zielgruppe von Kunden an. Vielleicht ist der Markt der „Ich habe nichts zu verbergen“-Nutzer so groß, dass sie nur noch Hoster verwenden, bei denen sie sicher sein können, dass der Staat auch alles mitbekommt. Vielleicht auch aus Angst davor als „Böse“ zu gelten, wenn man es dem Staat erschwert, persönliche Daten zu überwachen…

    Schöne Grüße,
    Florian

  • Besim Karadeniz
    Besim Karadeniz - 30. Oktober 2009 um 14:07 Uhr

    Die Idee mit einem Steuerzahl-Siegel gefällt mir ausgesprochen gut. 😉

  • MatthiasM
    MatthiasM - 30. Oktober 2009 um 14:11 Uhr

    Also mich würde eher ein „wir-wehren-uns-mit-Zähnen-und-Klauen-gegen-TKÜV,-VDS-usw.“-Siegel überzeugen!

    lG MatthiasM

  • Agnostiker
    Agnostiker - 30. Oktober 2009 um 14:41 Uhr

    Ich bin auch für ein großes Banner auf der df-Startseite:

    „Offizieller Sponsor des Finanzamts München/Ismaning“

    😉

  • Adrian
    Adrian - 30. Oktober 2009 um 20:24 Uhr

    @Florian: Ab jetzt ist es De Maiziere der mitliest. Schäuble ist nun für besagtes Steuer-Siegel verantwortlich. Da schließt sich dann der Kreis. 😉