Vertragskündigung durch uns (II)

Heute wieder ein Fall, in der wir einen Vertrag fristgerecht und ordentlich gekündigt haben:

Eine Sekte, die sich selbst als Kirche bezeichnet und durch den Bundesverfassungsschutz beobachtet wird, hat bei uns einen Account eröffnet um darüber u.a. einen „Persönlichkeitstest“ zu verbreiten und neue „Mitglieder“ zu finden.

Das ist einer der wenigen Fälle, in denen wir über die Möglichkeit zur freien Wahl des Vertragspartners froh sind. Denn wir möchten nicht mit denen zusammen arbeiten und als deren Provider agieren.  Wer selbst schon Bücher von Fachleuten, Berichte von Sektenbeauftragten oder Schilderungen Betroffener diesbezüglich gelesen hat, wird diese Entscheidung vielleicht verstehen.  Zumal es hier konkret um einen „Persönlichkeitstest“ geht, der unmittelbar der Gewinnung neuer Sektenmitglieder dient.

Natürlich gelten das Grundgesetz und Dinge wie die Meinungsfreiheit auch für Gruppierungen, deren Meinung man expliziert nicht teil. Und daher kündigen wir auch nicht pauschal alle Seiten von Rechten/Linken/… oder suchen aktiv nach diesen. Wenn uns aber zufällig eine solche Seite auffällt oder uns eine Beschwerde erreicht, ist eine Einzelfallentscheidung durchaus im Rahmen des Vertretbaren. Denn zu einer engagierten Zivilgesellschaft zählt es auch, nicht einfach nur die Augen zu verschließen und wegzusehen, sondern im Rahmen der eigenen Möglichkeiten etwas zu tun.

Durch die Kündigung haben wir ja auf den ersten Blick nichts gewonnen: Wir haben weniger Umsatz und riskieren eine Menge Ärger mit der Sekte oder deren Anhängern.  Manchmal muss man das aber eben auch in Kauf nehmen, um das (nach bestem Wissen und Gewissen) Richtige zu tun.

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Sara Marburg

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Sara Marburg

Geschäftsführung (bis 11/13)

13 Kommentare

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  • Stephan
    Stephan - 3. Mai 2010 um 18:36 Uhr

    find ich gut! So von der Beschreibung kann ich mir schon denken, in welche Richtung das ging …

  • Jokey
    Jokey - 3. Mai 2010 um 22:29 Uhr

    Jokey gefällt das!

    Edit: Nein, bitte nicht diese hässliche FB Funktion hier einbauen

  • Odde23
    Odde23 - 4. Mai 2010 um 09:03 Uhr

    Ich glaube auch zu wissen, um welche Sekte es sich handelt. Diese Entscheidung finde ich absolut richtig. Menschenverachtende Institutionen sollte man nicht unterstützen.

  • Akte
    Akte - 4. Mai 2010 um 18:09 Uhr

    Auch wenn ich den Sachverhalt nicht kenne, so hat die Kündigung doch einen unangenehmen Beigeschmack.

  • N.N.
    N.N. - 4. Mai 2010 um 21:16 Uhr

    Danke, df.

  • Enigma
    Enigma - 4. Mai 2010 um 23:15 Uhr

    Handelt es sich um die Sekte, von der ich glaube, dass sie gemeint ist, hätte es für mich eher einen unangenehmen Beigeschmack, wenn die Kündigung *nicht* ausgesprochen worden wäre… Schön, dass dF da nicht den Weg des geringsten Widerstandes geht.

  • Akte
    Akte - 5. Mai 2010 um 07:30 Uhr

    Hat die Sekte auf den gehosteten Paketen/Servern Straftaten begangen, zu Straftaten aufgerufen oder hat sie ihre vertraglichen Verpflichtungen verletzt? Wenn die Antwort „nein“ lauten müsste, so hat es sehr wohl einen unangenehmen Beigeschmack. Besonders dann, wenn behauptet wird, dass man dies getan hat um, überspitzt ausgedrückt, die Welt zu retten.

  • Sara
    Sara - 5. Mai 2010 um 07:35 Uhr

    @Akte: Konstruktive Kritik ist – gerade auch in einem solch zweifelsfrei sensiblen Fall – für uns wichtig. Daher folgende Rückfrage: Welchen unangenehmen Beigeschmack sehen Sie? Ist es für Sie völlig indiskutabel, wenn wir nicht eine Anwerbungs-Webseite für neue „Opfer“ einer Sekte hosten möchten, die bekannter- und unter Fachleuten unbestrittenermaßen ihre Mitglieder finanziell und persönlich Schaden zufügt?

    Hätten wir die Kündigung nicht ausgesprochen, wären über die bei uns gehostete Seite neue Interessenten geworben worden, die durch den Umweg des Persönlichkeitstestes bei der Sekte gelandet wären. Die persönlichen Folgen und Risiken haben für uns *in diesem konkreten Einzelfall* die Kündigung unterm Strich und der Abwägung aller Aspekte gerechtfertigt.

  • Akte
    Akte - 5. Mai 2010 um 09:09 Uhr

    Es geht um die Begründung. Soweit ich das sehe, war der Grund der Kündigung, dass DF diese Praxis der Anwerbung nicht unterstützen möchte indem es ein Hostingpaket/Server zur Verfügung stellt. Sie schreiben: „zufällig eine solche Seite auffällt oder uns eine Beschwerde erreicht“. Dass DF die Seite zufällig entdeckt hat, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Sie haben doch sicherlich bei Vertragsabschluss schon eine ungefähre Vorstellung von dem Vertragspartner gehabt. Wenn es jetzt die Sekte ist, an die ich auch denke, dann war deren Praxis schon länger bekannt. Da jetzt öfter über die Sekte gesprochen wird (überwiegend negativ, sicherlich zurecht), möchte man mit diesen „Schmutzfingern“ nichts zu tun haben. Ich sage nicht, dass es so ist. Aber es erweckt den Eindruck als ob es so wäre. Ich kann es verstehen, dass man einen Vertragspartner kündigt, weil es öfter zu abuse Meldungen, nicht bezahlten Rechnungen oder sehr hohem Trafficverbrauch kommt. Natürlich würde ich in diese Sekte nicht eintreten, aber ich würde sie auch deswegen nicht gleich kündigen. An was jemand glaubt oder nicht glaubt sollte seine Angelegenheit sein. Solange er niemanden direkt schädigt (=Straftaten), sollte er seine Ansichten ruhig verbreiten dürfen. Es sollte nicht Aufgabe eines Hostinganbieters sein zu entscheiden was „gut“ oder „schlecht“ ist.

    Verstehen Sie mich nicht falsch. DF ist einer der Besten, wenn nicht sogar der Beste Hostinganbieter auf dem Markt. Aber jemanden zu kündigen, weil er einen sicherlich zweifelhaften Ruf hat, ist „übers Ziel hinausgeschossen“.

  • MissVip
    MissVip - 5. Mai 2010 um 09:46 Uhr

    Wenn Einzelne „die Welt retten“ möchten, nennt man das manchmal Zivilcourage. Abgesehen davon, darf denn dF keine eigene Meinung haben und diese vertreten? Ehrliche Frage: Muss dF jeden Kunden akzeptieren, solange dieser das Gesetz befolgt?

  • Akte
    Akte - 5. Mai 2010 um 15:05 Uhr

    Muss? Nein, da es in diesem Fall keinen Kontrahierungszwang gibt. Es war auch keine Frage nach dem müssen sondern vielmehr, ob die Kündigung adäquat war. Hier war es ein Einzelfall, OK. Meine Gegenfrage wäre: Muss ich als Kunde befürchten, dass ein Hoster mir kündigt, weil ich eine politische/religiöse oder wie auch immer geartete Auffassung vertrete, die er nicht teilt?

    Ich denke nicht, dass es so weit kommt aber es ist die Frage, die man sich als Unbeteiligter stellt.

  • Sara
    Sara - 5. Mai 2010 um 15:48 Uhr

    @Akte: Wir kündigen niemand wegen seiner Meinung, siehe dazu auch die Ausführungen im Blogbeitrag. Hier lag aber eine konkrete, spezielle Situation vor, bei der es nicht um die Meinung unseres Kunden ging (die kann er im rechtlich legalen Rahmen vertreten, das ist doch gar keine Frage) sondern darum, dass hier eben über einen anscheinend harmlosen Fragebogen unschuldige Dritte geködert und – letztendlich – geschädigt werden sollten. Und genau dieser Umstand war am Ende ausschlaggebend bei der Einzelfallabägung.

    Genauso ist es auch bei anderen Seiten, z.B. rund um rechtsorientierte Gruppierungen: Wir akzeptieren das Recht auf Meinungsfreiheit, auch wenn uns oder Dritten der Inhalt nicht gefällt und wir bzw. Andere diese Meinung nicht teilen. Auch dort gibt es aber Grenzen, bei denen wir im Falle der Kenntnisnahme schon sehr genau abwägen, ob in diesem speziellen Einzelfall eine Kündigung in Betracht kommt. Beispielhaft sei hier eine als sehr grenzwertig durch die Anwälte eingestufte Seite genannt, bei der ein strafrechtliches Restrisiko für uns verbleibt. Wir werden weiter über solche Fälle hier bloggen, Sie können sich dann selbst ein Bild davon machen :-).

  • TobiLei
    TobiLei - 7. Mai 2010 um 11:02 Uhr

    vor kurzem gab es da eine Art Reportage über die Arbeit dieser Organisation, diese war wie ein Spielfilm gemacht.

    Es lohnt sich, dies anzuschauen, dann werden einige Hintergründe besser verständlich.