Was tun mit den ganzen neuen Top-Level-Domains?

Nachdem die ICANN sich zur Einführung neuer „Top-Level-Domainnamen“ (kurz „TLD“) entschlossen und diesem Entschluss aktuell mit „.xxx“ auch bereits Taten hat folgen lassen, stellt sich für Hostingunternehmen wie uns die Frage, wie wir mit der sich abzeichnenden „Schwemme“ an neuen Domainnamen unterhalb z.B. .sport, .berlin oder .bayern (siehe auch heise online) umgehen sollen. Auf der einen Seite möchten wir unseren Kunden natürlich eine möglichst breit gefächerte Unterstützung verschiedener Domainnamen anbieten können. Andererseits steht jeder neu durch uns unterstützen Domain ein enormer formaler, technischer und finanzieller Aufwand gegenüber. Aus der Einführung von Domainnamen wie z.B. „.eu“ wissen wir, wie umfangreich die damit verbundenen Projekte sind und welche enorme Menge an Ressourcen und Zeit aufgewendet werden muss, bis eine aktive Nutzung möglich ist.

Hinzu kommt, dass viele Planungen für neue Domainnamen noch überhaupt nicht in trockenen Tüchern sind und zudem der praktische Nutzen für die Netzcommunity nicht unbedingt eindeutig vorherzusagen ist. Als aktuelles Beispiel hierfür sei an dieser Stelle die „dotreise GmbH“ erwähnt, welche per Pressemitteilung für deren „.reise“-Domainnamen wirbt. Die neuen Domains unterhalb der TLD „.reise“ sollen demnach voraussichtlich „Mitte 2012“ nutzbar sein. Bereits jetzt erfolgt jedoch bereits eine „Promotion-Auktion“ von täglich fünf „.reise“-Internetadressen und interessierte Kunden können sich zudem eine .reise-Domain gegen Zahlung von 1.500 Euro zzgl. MwSt. sichern („Sponsoringpaket“).  Ob dieses Geld gut investiert ist, hängt sicherlich vom Einzelfall ab. In vielen Fällen werden vermutlich Firmen ihr bestehendes Domainportfolio um die neue „.reise“-Domain ergänzen, ohne dass dadurch ein neues Internetangebot entsteht, oder die Nutzung der auf ihren Namen lautenden .reise-Domain durch Wettbewerber (marken-)rechtlich unterbinden lassen.

Ob die .reise-Domains jemals nutzbar werden, steht jedenfalls in den Sternen. Hierzu ein Auszug aus den „Auktionsbedingungen“ der dotreise GmbH:

Der Auktionsgewinner erhält von dotreise die Einräumung von Registrierungsrechten zu .reise-Domains, die wirksam werden, sobald die ICANN dotreise als Registrierungsstelle für .reise benannt hat. […] Es wird darauf hingewiesen, dass die ICANN als internationale Zuweisungsstelle für Top-Level-Domains bislang weder die Zulassung der Top-Level-Domain „.reise“ beschlossen, noch die dotreiseGmbH als Registrierungsstelle benannt hat. […] [D]ie Regelungen der ICANN zum Beantragungs- und Zulassungsverfahren unterliegen ständigen und nicht vorhersehbaren Änderungen, weswegen eine endgültige Abschätzung der Risiken dieses Projekts derzeit nicht abschließend möglich ist. Die Änderungen können im ungünstigsten Fall zu einer Verzögerung oder einem Versagen der Zulassung von .reise und damit einem Scheitern des Projektes und einer Nichtgewährleistung der von dotreise zugesagten Leistungen (insbesondere Domainreservierung) führen.

Alles in allem zeigt das Beispiel „.reise“, dass sich für Hoster  und Domainprovider ein differenziertes Vorgehen und eine genaue Abwägung des Kosten-/Nutzenverhältnisses lohnt. Einfach nur ganz viele verschiedene Domains „um jeden Preis“ unterstützen zu wollen, obwohl diese vielleicht kaum jemand möchte oder sie unter Umständen am Ende nicht einmal eingeführt werden, ist jedenfalls nicht die Lösung  und würde nur an anderer Stelle besser eingesetzte Arbeitszeit blockieren.

Auch als Interessent an einer der neuen Domains dürften sich ein überdachtes Vorgehen und ein wenig Skepsis auszahlen, wenn man nicht unnötige Domaingebühren aufwenden und damit die Geldbörse eines neuen Domainanbieters füllen möchte: Brauche ich eine der neuen Domains wirklich, wird sich die Nutzung auszahlen, steht den Gebühren ein angemessener Gegenwert gegenüber, wie wird die Akzeptanz der neuen Domainnamen in der Praxis sein? Erst wenn sich diese (und weitere) Fragen selbst zufriedenstellend beantworten lassen, kann in jedem Einzelfall die hoffentlich richtige Entscheidung für oder gegen eine der neuen Domains getroffen werden.

Wir halten jedenfalls weiterhin „die Augen offen“ und verfolgen die Entwicklung genau. Dort, wo wir es für sinnvoll halten und einen ausreichend hohen Kundennutzen sehen, werden wir auch sicherlich die Akkreditierung als Registrar genau prüfen und ggf. vornehmen. Und in allen anderen Fällen ist die Nutzbarkeit der neuen Domains bei uns in Form der „externen Domains“ möglich.

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Sara Marburg

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Sara Marburg

Geschäftsführung (bis 11/13)

1 Kommentar

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  • Michael
    Michael - 19. April 2011 um 19:46 Uhr

    Ich wage jetzt schon zu behaupten: „Das wird nix.“

    Siehe EU oder TV oder TK. Entweder landesbezogene TLDs oder wer mehr auf international tun will halt sowas wie com oder org. Die Umlaute und ß sind ein weiteres Beispiel für das Nischendasein solcher ungewöhnlichen TLDs.