„Wunsch: Wikileaks-Mirror von dF“

In unserem Kundenforum kam der Wunsch nach dem eigenständigen Hosting eines Wikileaks Mirrors durch uns auf.

Grundsätzlich sind wir als Hostingunternehmen im Normalfall und „so weit wie irgend möglich“ neutral und versuchen, keine Wertung im Hinblick auf bei uns gehostete Inhalte vorzunehmen, so lange diese nicht gegen geltendes Recht bzw. unsere AGB und Domainregstrierungsbedingungen verstoßen. Eine Ausnahme in besonderen Einzelfällen kann wie unter https://www.df.eu/blog/2010/04/30/vertragskundigung-durch-uns/ und https://www.df.eu/blog/2010/05/03/vertragskundigung-durch-uns-ii/ geschildert vorkommen, wobei wir das durchaus selbstkritisch sehen und eine zu „100% perfekte“ Lösung vermutlich nicht zu finden ist.

Einerseits möchten wir uns nicht anmaßen, „moralische Instanz“ zu sein die über an sich rechtlich zwar zulässigen aber doch bedenklichen Content entscheidet. Andererseits ist ein „Kopf in den Sand stecken und nichts sehen und hören wollen“ aber manchmal auch nicht zu vertreten und es nötig, in der Gesellschaft auch als Unternehmen Grenzen zu ziehen und das Recht zur Vertragsfreiheit zu nutzen. Aber wie gesagt: Schwierig ist das in jedem Fall und macht immer wieder eine neue Abwägung erforderlich.

Damit zurück zum eigentlichen Thema, dem Hosting von Wikileaks-Spiegelungen:

Von unserer Seite aus werden wir so etwas nicht selbst tun, da wir damit unsere Rolle als möglichst „neutraler technischer Dienstleister“ bewusst aufgeben, uns in eine schwierige Position begeben und Kunden irritieren würden.  Zumal sich die Frage stellt, in welchen Fällen man das dann zukünftig machen sollte und wann nicht.

Auf einem ganz anderen Blatt steht aber natürlich das ebenfalls im o.g. Foren-Thread angesprochene Hosting von Wikileaks-Mirrors durch Kunden von uns. Hiervon haben wir konkret und im Einzelfall bisher zwar keine Kenntnis, sind aber nach den bisher bekannten rechtlichen Aspekten auch nicht negativ diesbezüglich aufgestellt. Denn letztendlich ist es – trotz der weiter oben erwähnten, seltenen Ausnahmen – eben unseren Kunden überlassen, welche Inhalte sie auf ihren Webseiten veröffentlichen, so lange kein Verstoß gegen geltende Gesetzte oder vertragliche Bestimmungen vorliegt bzw. durch z.B. massive DDOS-Attacken unsere Infrastruktur und andere Kunden empfindlich gestört werden.

So gesehen also „business as usual“, was bei einem so heiß gekochten Thema vielleicht auch gar nicht die schlechteste Option ist. 🙂


[2010-12-07 07:15 Uhr]

1. Nachtrag: Einen sehr interessanten Blogartikel zur rechtlichen Situation hat auch RA Dr. Carsten Ulbricht (rechtzweinull.de) veröffentlicht.

2. Klarstellung: Der Betrieb eines Wikileaks-Mirrors kann mit (u.a. rechtlichen) Risiken verbunden sein. Dies gilt insbesondere dann, wenn Dritten gestattet wird, neue Inhalte selbstständig auf dem Mirror zu veröffentlichen. Es ist daher empfehlenswert, im Fall einer Datenspiegelung selbst die Kontrolle über Art, Umfang und Inhalt der Veröffentlichungen zu behalten. Die oben gemachten Ausführungen basieren zudem nur auf dem bisher allgemein öffentlich bekannten Stand und können nicht automatisch auf andere, zukünftige Veröffentlichungen übertragen werden.

Sara Marburg

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26 Kommentare


  • al ion
    al ion - 6. Dezember 2010 um 10:33

    !

  • Rainer.D
    Rainer.D - 6. Dezember 2010 um 12:09

    Zumindest sollte jemand der einen solchen Mirror zur Verfügung stellt auch gute Anwälte haben und entsprechend in deren Dienstleistungen investieren … 🙂

  • Karlheinz
    Karlheinz - 6. Dezember 2010 um 15:14

    Für stellt die Veröffentlichung der Dokumente einen Rechtsverstoß dar, denn sonst könnte man ja gleich sagen das jede Art von Diebstahl und Veröffentlichung privater Dokumente in Ordnung ist. Da möchte ich aber mal erleben was die Personen die sich jetzt dafür ausgesprochen haben diese Dokumente zu verbreiten denn machen wenn es sie selbst betrifft.

  • Heinzkarl
    Heinzkarl - 6. Dezember 2010 um 15:40

    @Karlheinz Ähm, wo hast du in den Cables denn private Dokumente gefunden? Das sind alles dienstliche Dokumente, deren Verfasser (und ursprünglich intendierte Empfänger) von Steuergeldern bezahlt werden. Von privat ist das ja wohl schon fast maximal entfernt.

  • Foxxi
    Foxxi - 6. Dezember 2010 um 17:41

    Bleibt dabei, ich bin echt froh bei Euch Kunde zu sein und werde Euch hemmungslos weiterempfehlen. Paypal/eBay und Amazon habe ich postwendend gekündigt.

  • SebK
    SebK - 6. Dezember 2010 um 18:03

    Habe zwar nicht vorgehabt, einen Mirror zu hosten, aber das macht mir als Bestandskunden df noch sympathischer. Da fühlt man sich gleich noch besser aufgehoben 🙂
    Gute Entscheidung!

  • serror
    serror - 6. Dezember 2010 um 20:04

    Ihr seid toll! Danke für die Klarstellung und danke, dass ihr besser als eure Konkurrenz handelt.

  • NowHereMan
    NowHereMan - 6. Dezember 2010 um 20:43

    Schließe mich den Vorrednern an!
    Ja, ich fühle mich bei Euch gut aufgehoben. Danke!

  • Luiki
    Luiki - 6. Dezember 2010 um 21:55

    ebenfalls: bravo df!!!

  • Alter df Kunde
    Alter df Kunde - 6. Dezember 2010 um 21:57

    Schön das zu lesen. Danke!

  • Alex
    Alex - 6. Dezember 2010 um 23:24

    Vielen Dank, auch für die klaren Worte.

  • Anonymous
    Anonymous - 6. Dezember 2010 um 23:44

    Respekt!!!

  • superhoster
    superhoster - 7. Dezember 2010 um 00:09

    Top! Ihr habt einen neuen Kunden und ich werde Werbung für euch machen und zwar massiv.

  • Freeky
    Freeky - 7. Dezember 2010 um 01:00

    Da hab ich mich also für den richtigen Hoster entschieden 🙂

  • Mutti
    Mutti - 7. Dezember 2010 um 02:30

    Schließe mich Freeky an: Bin ebenfalls DG Kunde und finde die Entscheidung gut. Ohne rechtliche Grundlage fände ich eine Kündigung sehr enttäuschend.

  • bapp
    bapp - 7. Dezember 2010 um 02:47

    Das ist US-amerikanisches Material, also wo gibt es diesbezüglich in D damit rechtliche Probleme? Ich sehe nur politische.

  • Peter Wagner
    Peter Wagner - 7. Dezember 2010 um 08:32

    Nach dem Umgang mit einer Downtime in 2009 stellt ihr hier mal wieder klar wieso wir bei euch Kunden sind. Sehr gute Unternehmenskommunikation.

  • Franz Dobermann
    Franz Dobermann - 7. Dezember 2010 um 11:01

    Unsere Entscheidung für DF bestätigt sich mal wieder!

    Danke!

  • FrankAb
    FrankAb - 7. Dezember 2010 um 16:29

    Danke DF, diese Haltung vermisst man bei einigen anderen Unternehmen!

    Natürlich verstehe ich es aber wenn DF solchen Content löschen würde, wenn – und das wird sicher bald ins Haus flattern – entsprechende Hinweise auf Anstößigen Content vorliegen, mit der Bitte auf Löschung.
    Ich hatte tatsächlich, kurz, überlegt einen Mirror aufzusetzen, allerdings ist der Content von Wikileaks nicht nur legal, zumindest in Deutschland. Daher sollte man genau prüfen, was man online stellt und was nicht. Listen zu KiPo-Seiten würde ich z.B. so ohne weiteres nicht auf meinem Server hosten wollen.

  • Sascha
    Sascha - 23. Dezember 2010 um 21:28

    Ich finde man sollte es nicht übertreiben, mein Projekt unterstützt Wikileaks seit fast 2 Wochen. Bis auf ein paar Hackerangriffe passiert weiter nichts. Und bisher habe ich auch noch keine Post bekommen, weder von der Deutschen Staatsanwaltschaft oder der USA. Auf die zweite Variante würde ich auch nicht reagieren… Wikileaks verwaltet seinen Webspace von uns selbst für Ihre Spieglung.

    Die Piratenpartei zieht auch mit, was ich stark für eine Deutsche wenn auch kleine Partei finde. Einen Anwalt brauch man nicht. Wofür denn auch? Die Daten die auf den Mirrorseiten eingehen sind meist 1-2 Tage älter als das von der Originalseite.

    Man sollte helfen wenn man für Menschenrechte einsteht, für die Wahrheit und für unschuldige Opfer. Unser Projekt wird solange aushelfen bis eine Domain die Wikileaks selbst gehört wieder im vollem Umfang online ist. Und bisher ob 200 oder 2000 Server sieht es doch so aus als sei der Fortbestand gesichert.

  • Michael Freitag
    Michael Freitag - 1. Januar 2011 um 19:40

    Wenn die Welt sauber wäre, müsste man sich um solche Dinge überhaupt nicht streiten 🙂